Dienstag, 29. November 2011

Auch kleinen Pfaden kann man folgen

Brief an mich


Freilich, sagt die innere Stimme zu mir, du hast ganz schön gewartet und ängstlich bist du noch immer.
Ja, sag ich, und klick auf den Button, welcher meinem Narren nun seine wirkliche Reise antreten läßt. In wenigen Tagen, so wurde mir versichert, ist er dann in den Katalogen für die Buchhändler zu finden. In wenigen Tagen ist es wirklich öffentlich. So richtig mit ISBN.

Es ist genau ein Monat her, als ich mir die erste Testausgabe zuschicken ließ und es war doch etwas mehr Arbeit nötig um auch die letzten Fehler auszumerzen. Aber jetzt, so hoffe ich, ist es fehlerfrei. Wenn schon nicht großartig, dann doch wenigstens fehlerfrei. Jeder hat so seine Ansprüche.


Aber, sagt da wieder die innere Stimme, hast Dir auch ganz schön Zeit gelassen. Ein ganzes Jahr für ein paar Seiten und dann auch noch Lyrik. Das will doch keiner lesen! Ja, sag ich dann zu ihr, wer wird das lesen? Aber ständiges träumen und warten ist nichts für mein Gemüt. Das wird bei solchen Sachen mit der Zeit ungeduldig und zieht sich irgendwann frustiert zurück.


Gestern also, am Abend, zwischen Tür und Angel war der große und ersehnte Augenblick. Wirklich danach angefühlt hat es sich nicht. Eher wie eine Saldo Rechnung oder eine Bilanz. Wo unten dann in dicken fetten Buchstaben SOLL & HABEN steht und man einfach froh ist, das ganze hinter sich zu haben. Dennoch bleibt das gute Gefühl etwas getan und erreicht zu haben. Etwas, woran keiner in meiner Umgebung zu glauben wagte. Gegen jede Regel hat sich dieses kleine Ding durchgesetzt und avancierte unerwartet zu meinem persönlichen Glücksbringer in diesem Jahr.
Sicher, sagt die innere Stimme wieder, finanziell gesehen hast du gar nichst verbessert und recht hat sie. Aber anderes hat mich reich gemacht. Dieses Jahr war definitv mein Jahr. Neuer Mut, neue Freunde, neue Familie, neues Glück und dabei sogar Liebe.
Endlich Wohlbehagen in der eigenen Haut und Seele. Endlich die Gewissheit, das man trotz allem immer einen Weg finden kann und das scheinbar unerreichbare nur so weit entfernt ist, wie man sich selbst glauben macht.
Kein großer Wunsch ist das gewesen und ich hab keinen großen Wurf gemacht dieses Jahr. Aber man kann auch kleinen Pfaden folgen. Und womöglich ist man auf diesen ganz kleinen Wegen glücklicher als auf den großen und viel beleuchteten. Ja, sagt da die innere Stimme, das ist nur eine Frage der Perspektive und dessen, was man will.