Dienstag, 24. März 2015

Akademisches Deutsch, bitte.


Akademisches Deutsch, bitte.
Um ehrlich zu sein, habe ich nicht die geringste Ahnung was akademisch korrektes Deutsch ist oder sein soll. Ich denke mir einfach, dass es eben eine Fachsprache ist. Vollgepackt mit Fachtermini über die hin und wieder in Akademikerkreisen diskutiert wird. Aber eben nicht nur da.
Wenn ich etwas schreibe, dann suche ich nicht nur ein passendes Wort, sondern das passendste. Synonyme kommen für mich erst dann in Frage, wenn die Gefahr einer ständigen Wiederholung besteht. Oder es einfach blöd klingt.
Das passendste Wort zu finden ist also mein Anspruch. Das es mehr ein visionärer Traum ohne realistische Grundlage ist, ist mir schon klar. Immerhin ist unsere Sprache eben keine formale, wie die Mathematische. Trotzdem möchte ich Missverständnisse vermeiden. Eine nicht beabsichtigte Assoziationskette in einem Prosastück kann fatale Folgen haben.
Wenn ich also von einem Stein schreibe assoziieren viele sofort hart, kalt und kantig. Andere denken vielleicht auch an einen Kieselstein. Das wäre auch logisch, wenn in meinem Text zuvor ein Fluss das Hauptthema gewesen wäre. An einen heißen Stein dürften aber die wenigsten gedacht haben. Den müsste ich schon extra beschreiben. Oder wie wäre es mit einem Kuchen? Süß und saftig? Nun ist Zwiebelkuchen nicht unbedingt süß und der Meißner Fummel nicht gerade saftig. Manche Assoziationsketten sind eben eher unpassend und um diese vermeiden zu können, muss man wissen, was andere damit in Verbindung bringen. Und das macht die Sache kompliziert.

Seit dem ich mir darüber bewusst bin versuche ich ganz gezielt solche Worte ausfindig zu machen. Worte also, die ich eher über den Wortsinn begreife, während andere sie mit etwas anderem in Verbindung bringen. „Scheinbar“ dürfte hier ein prominentes Beispiel sein. Für mich ist es einfach nur ein Wort, welches den Schein in den Vordergrund rückt. Er wird zum Betrachtungselement. Ähnlich wie kostbar oder dankbar. Andere sehen darin den Aspekt einer Unwahrheit. Also eine Lüge. Sie verbinden es eher mit Scheinnamen oder Scheinidentitäten. Alles Scheinheilig, wie mir scheint denn an einem Scheinwerfer ist überhaupt nichts trügerisch. Der scheint eben nur aber was ich verstehe ist eben nicht wichtig. Wichtig ist, was der Leser versteht oder aus meiner Sicht, was er verstehen könnte und ja, das macht vieles sehr kompliziert. Denn ich habe nicht die geringste Ahnung, welche Akademie über welches Wort diskutiert und warum. Sie haben ja gute Gründe. So wie beim Wort „Machtergreifung“.

So oder so, ich brauch eine Lösung. Ich muss eine Entscheidung treffen und denke sie auch gefunden zu haben. Von dem Vorsatz an sich, werde ich mich trennen müssen und manchen Konventionen werde ich einfach aus dem Weg gehen. Das erspart mir die Arbeit zwar nicht, nach allen Bedeutungen in einem Wort zu suchen aber letztlich ist das ohnehin ein Teil der Kunst.
 
Nur ein paar Fragen zwicken mich noch. Gibt es akademisches Deutsch? Ist es das gleiche, wie Hochsprache? Müssten dann nicht alle guten Schriftsteller auch zwangsläufig die Allerbesten der Akademiker sein? Oder bilden wir uns das einfach nur gerne ein? Denn weltweit wird kaum deutsche Literatur gelesen. Ist es nicht eigentlich vermessen, immer noch vom Volk der Dichter und Denker zu sprechen? Zumindest die Dichter, so scheint es mir eben, müsste man streichen.