Dienstag, 8. Oktober 2013

Ernte auf Balkonien

Die Zeit ist reif. Der Herbst hat das Ruder übernommen setzt mit seiner lieblichen Art allen gegangenen Zeiten ein Denkmal. Wenn man gut dabei war, also in der Zeit war, so kann man sich ein paar dieser Denkmäler in die Küche holen und verspeisen. So wird man selbst zum lebenden Beweis für die Kraft der Natur.


Ja, sieht nicht nach viel aus, aber gemessen an den Bedingungen ist das gar kein so schlechtes Ergebnis. Trotz Trauermücken, Windböen und teilweiser Überschwemmung kam da doch doppelt so viel raus, als ich reingesteckt habe. Eine großartige Pflanze, wie ich finde. Großartig genug, um es nächstes Jahr noch einmal zu machen.

Tomaten gab es bei mir auch zu ernten. Die Früchte wurden zwar nicht so schnell reif, da der Frühling ziemlich lange brauchte um wach zu werden aber wir hatten von zwei Pflanzen genug Früchte um ganze 6 Wochen keine einzige Tomate kaufen zu müssen. Auch der Mangold spross und so waren uns drei Mangold Mahlzeiten gewiss. Eine bekam meine Schwester, zusammen mit ein paar Tomätchen als Ausgleich für den Pflegedienst.
Wovon ich am meisten gegessen habe war die Vogelmiere. Einfach ein bisschen rupfen und kauen. Nach wenigen Wochen im Topf schmeckte sie auch nicht mehr so dumpf. Besonders knackig sind die Blütchenknospen. Und ich mochte es, die kleinen Sternchen über Salat regnen zu lassen. Auch dem Kümmel wurde ich zum Fressfeind. Die zarten Blättchen sind einfach zu lecker. Ich glaube so mancher Nachbar wird seltsam geguckt haben, wenn ich verträumt von Kasten zu Kasten schwebte, um mir hie und da frisches grün zu rupfen. Und nächstes Jahr, so mein Plan, will ich die Aromen der Kräuter um mindestens eine Pflanze erweitern. Frischer Koriander ist mein Ziel.

Viele Probleme haben sich wieder gezeigt aber noch ist keine Lösung in Sicht. Der Wind hat viel Schaden angerichtet. Unabsichtlich natürlich und ich werde ihm auch nicht die Schuld geben. Manche Pflanzen haben sich dem Wind gebeugt, was besonders der Tomate schwer zu schaffen machte. Und auch die Paprika hatte nicht genug Kraft, dem ganzen zu trotzen, obwohl es eigentlich kaum wirkliche Stürme gab. Nicht dieses Jahr. Auch die Wasserversorgung macht einiges Kopfzerbrechen. Im späten Frühjahr hat es so oft geregnet, dass ich mit der Menge sicherlich den halben Sommer hätte überbrücken können. Doch wie auffangen? Wie lagern? Und natürlich die Qualität die Erde spielt eine große Rolle. Während ich vor zwei Jahren guten Stoff kaufte, folgte dieses Jahr die „billig“ Variante. Das Ergebnis ist eindeutig. Und so versuche ich mich in der Anzucht von „Haushaltskompost“. Im Sommer holte ich mir ein paar kleine Würmchen, nebst ein wenig gut gelagerter Erde und fütterte die kleine Tierchen mit Gemüse und anderen, übrig gebliebenen Leckereien. Es ist putzig zu sehen, wie die Schnipsel nahezu senkrecht in die Erde gezogen werden um dann dort zu verschwinden. Und ich habe gelernt, das Tomate und Gurke besonders gern angenommen wird. Auch Pilze haben sie gern, brauchen aber dafür ganz schön lange. So oder so, ich habe sie unlängst umgesetzt und werde sehen, was dabei herauskommt, wenn man seine eigene Erde macht.
Vielleicht ein paar Kartoffeln mehr?